Instandsetzung Kanzlei Tiflis, Georgien – Fokus Umgang mit bestehender Bausubstanz

Die räumliche Zusammenlegung der DEZA und der Schweizer Botschaft an einem Standort in Tiflis erforderte im Umgang mit der bestehenden Liegenschaft und deren Bedeutung im örtlichen Kontext eine hohe Eingriffs-Sensibilität. Entstanden ist eine Architektur, die subtil alte und neue Substanz miteinander kombiniert.

Das neue Kanzleigebäude in Tiflis hat seit einigen Monaten den Betrieb aufgenommen. Und es ist schon einige Jahre her, seit eine Machbarkeitsstudie die von der Schweizer Eidgenossenschaft – in verschiedenen Stadtteilen der Hauptstadt Georgiens – betriebenen Liegenschaften auf ihre Zustände prüfte. 2016 beschloss das BBL in Zusammenarbeit mit dem EDA sich auf den Standort im Stadtteil Radiani zu konzentrieren und die anderen Liegenschaften zu verkaufen respektive aufzuheben.

Die Zusammenlegung an der Radiani 12 erforderte eine Totalsanierung des bestehenden Gebäudes und die dafür notwendigen Anpassungen im Raumgefüge – wie etwa eine Aufstockung, um die Büros der DEZA wie auch der Botschaft zu vereinen. 2019 konnte die Übergabe der neu organisierten Substanz gefeiert werden; der Vertretung in Tiflis steht nun ein neues für ihre Bedürfnisse abgestimmtes Gebäude zur Verfügung. Patric Franzen, Botschafter Georgien, betont: «Wenn man in einen Bau einer Botschaft investiert, dann ist das insbesondere Beweis eines Engagements der Schweiz, einer Investition in dieses Land. Und gleichzeitig auch ein Zeichen, dass die Schweiz unter einem Dach vereint ist, gemeinsam nach aussen auftritt. Dieser Umstand hat viele positiven Seiten für unsere tägliche Arbeit.»

Respektvoller Umgang mit bestehender Bausubstanz

Die Substanz der Liegenschaft an der Radiani 12, welche 1990 in den Besitz der Schweizer Eidgenossenschaft übergegangen war, zu bewahren und fachgerecht in ihrer ganzheitlichen Komplexität zu renovieren und ihr Gefüge zu transformieren resp. Aufzustocken, setze fundierte Kenntnisse der Quartiers- und Gebäudegeschichte, der kulturgeschichtlichen Baumethoden und der entsprechenden Raumstrukturen und Baumaterialien für diese Epoche Mitte 20. Jahrhunderts voraus. Aus diesem geschichtlichen Wissen entstand im Umgang mit der Liegenschaft die hohe Sensibilität, die es brauchte, um die geplanten Veränderungen am Gebäude behutsam umzusetzen.

In den Jahren um 1955 wurde das Haus erbaut und fortan – wie andere Häuser an der Radiani – namhaften Professoren und Intellektuellen zur Verfügung gestellt. Ein noch vorhandenes Schild am Gebäude verweist auf die damalige gebildete Bewohnerschaft. Der unmittelbare Nachbar Vachtang Tengizovich Shandidze und seine 83-jährige Mutter haben sich gegen Ende der Bauarbeiten daran erinnert: «Es war eine schöne Zeit – an dieser Strasse lebten lange viele Gelehrte, Mediziner, Professoren und Wissenschaftler – bis ab den 90er-Jahren die Schweizer als würdige Nachfolger unsere Nachbarn wurden.»

Architektur der Kontraste – zwischen alt und neu

Das Gebäude an der Radiani steht im Bezirk Vake. Der Name tauchte erstmals im 19. Jahrhundert auf und bedeutet «flacher Ort». Heute ist Vake eine der grössten und prestigeträchtigsten Gegenden und zugleich auch das Wirtschaftszentrum Tiflis. Hier befinden sich verschiedene Finanzinstitute und Universitäten.

Ab den 1920er Jahren entstanden die für dieses Gebiet typischen Backsteinbauten. Dazu meint der örtliche Architekt und Controller, André Niekisch: «Solche Bauten sind in Tiflis wie auch im gesamten Georgien sehr verbreitet. Die Idee war somit auch, die bestehende Substanz möglichst zu verwenden und mit einer zeitgenössischen Architektur und Technologie nachhaltig zu verbinden.»

Die optische Differenzierung zwischen zwischen Alt- und modernem Aufbau bestimmt das äussere Erscheinungsbild. Wie eine «Krone» sitzt die Aufstockung auf dem historischen Sockelbau. Damit artikuliert sich die hinzugekommene Aufstockung zwar klar und konsequent als neuer Eingriff. Gleichwohl überschreibt das Neue nie ganz das Alte. Etwa wurden für die strassenseitig, statisch bedingte Schliessung der Fensteröffnungen die alten Backsteine aus dem Abbruch gereinigt und wieder vermauert. Und so ist das Vorhandene «immer ein wichtiger Teil innerhalb der Veränderungen, die auf dem Bestehenden aufbauen. Das Projekt der Schweizer Botschaft wiederspiegelt diese Haltung», sagt Niekisch. Und Tom Rickli vom Architekturbüro Ducksch Anliker Architekten AG ergänzt: «Durch die Kombination von Backstein und warmgrauem Metall – Materialien, die einen Grossteil der umliegenden Bauten charakterisieren – integriert sich das sanierte Gebäude in den städtebaulichen Kontext.»

Entstanden ist ein Gebäude von hoher architektonischer Qualität, dessen Architektur subtil mit der gebauten Umgebung zu vermitteln vermag und zugleich von einer selbstbewussten Transformation – vom Wohnhaus zum modernen Bürogebäude – erzählt. Eine gelungene Kombination zwischen altem, traditionellem, Georgischem auf der einen und neuem, modernen, innovativem und Schweizerischem auf der anderen Seite – oder wie es Botschafter Franzen ausdrückt: «Dieses Erscheinungsbild wiederspiegelt unseren Ansatz der Zusammenarbeit und unsere Werte, die wir hier in Georgien vermitteln wollen.»

Projektleitung Bauherrschaft
Stephan Kessler        

Architektur
Ducksch Anliker, Langenthal/Zürich

Lokaler Architekt
Andre Niekisch, Tiflis

Lokale Generalunternehmung
Creative Projekts, Tiflis  

Dernière modification 11.10.2019

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