100 Jahre Schweizer Botschaft in Berlin

Die Schweizer Botschaft in Berlin feiert dieses Jahr ihr 100-jähriges Bestehen. Am 15. Oktober 1919 erwarb die Schweizer Eidgenossenschaft den neoklassizistischen Stadtpalast, der bis heute der Schweizer Botschaft als Residenz und Kanzlei dient. Das geschichtsträchtige Gebäude hat den zweiten Weltkriegt wie auch die Wiedervereinigung Deutschlands überdauert.  

 
Schweizer Botschaft Spreebogen Berlin. In der Nachbarschaft sind die deutschen Regierungsgebäude und der Berliner Hauptbahnhof.
Die Schweizer Botschaft befindet sich im Spreebogen. In der Nachbarschaft sind die deutschen Regierungsgebäude und der Berliner Hauptbahnhof.
© Walter Mair

Das Gebäude der heutigen Schweizer Botschaft in Berlin liegt im ehemaligen Alsenviertel im Berliner Spreebogen. Dieses Gebiet befindet sich im heutigen Ortsteil Tiergarten im Bezirk Mitte. Das Alsenviertel war damals die bevorzugte Gegend für ausländische Vertretungen und monumentale Bauten, wie beispielsweise das Reichstagsgebäude. Das Gebäude, in dem sich die Schweizer Botschaft befindet, wurde 1870 für einen berühmten Arzt an der Charité, Obermedizinalrat Friedrich Theodor Frerichs, errichtet. Es geht auf einen Entwurf des Architekten Friedrich Hitzig zurück. Die Schweizer Eidgenossenschaft erwarb den im neoklassischen Stil erbauten Stadtpalast am 15. Oktober 1919. Die Schweizer Gesandtschaft in Berlin erhielt erstmals ein eigenes repräsentatives Gebäude. Der Palais diente sowohl als Residenz des Botschafters als auch als Kanzlei.

 

Abbruchobjekt und Zweiter Weltkrieg

Hitler beauftragte im Jahre 1936, nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten, den Architekten Albert Speer, Pläne für die Neugestaltung der Reichshauptstadt auszuarbeiten. Das gesamte Alsenviertel sollte einem gigantischen Kuppelbau weichen. Die Nationen verliessen infolge der Planung ihre Gesandtschaften im Spreebogen und erste Villen wurden abgerissen. Auch das Schweizer Palais war für den Abbruch vorgesehen. Doch die Schweizer Diplomaten verhinderten den Umzug. Daraufhin wurde der Bau am Ersatzgebäude kriegsbedingt eingestellt.

Das Alsenviertel wurde im Jahre 1943 Ziel der Bombenangriffe durch die Alliierten. Das Gebäude der Schweizer Botschaft blieb das einzige bewohnbare Haus im Spreebogen. Es diente der sowjetischen Armee bei ihrem Sturm auf den Reichstag am 30. April 1945 als Ausgangspunkt. Das Gebäude blieb weitgehend unbeschädigt. Die Schweizer Delegierten nutzen ab dem Jahre 1948, zu Beginn der Blockade West-Berlins durch die Sowjetunion die meisten Räume wieder. 1954 zog der Delegationschef mit seiner Familie in die Residenz im ersten Obergeschoss und bewohnte sie allein. Mit der 1949 gegründeten Bundesrepublik Deutschland zog die Belegschaft nach Bonn. Folglich wurde die Botschaft in Berlin zu einer Aussenstelle.

 
Das Alsenviertel nach dem 2. Weltkriege. In der Mitte des Bildes ist die Schweizer Botschaft ersichtlich.
© EDA / Schweizerische Gesandtschaft/Botschaft in Köln

Erweiterung 19952000

Durch die grossflächigen Abrissmassnahmen der NS-Zeit, die Bombardierungen während des Krieges und die Enttrümmerung nach 1945 war die komplette bauliche Umgebung des Stadtpalais verschwunden. Das Gebäude befand sich in einer neuen Situation inmitten eines Parks, abgelegen und isoliert im Niemandsland an der 1961 errichteten Mauer zwischen West- und Ost-Berlin. So hat es bis 1995 überdauert, dem Jahr, in dem der Bund über seinen Fortbestand entschied und seine Erweiterung geplant wurde. Der Bau sollte renoviert, den Bedürfnissen einer moderneren Botschaft angepasst und durch ein neues Gebäude ergänzt werden, das Platz für Büros und Sitzungszimmer bietet.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands, im Jahre 1990, zog die neue deutsche Bundesregierung in den Spreebogen. Hier entstanden das Bundeskanzleramt und die Bauten des Bundestags. In ihrem Erscheinungsbild drücken diese Gebäude den Wunsch nach einer neuen Identität des deutschen Staates aus. Inmitten des Berliner Regierungsviertel steht heute prominent das Gebäude der Schweizerischen Botschaft.

 

 
Fotomontage von Diener & Diener mit dem Erweiterungsbau auf der rechten Seite. (1995)
© Diener & Diener Architekten

Die Architekten Diener & Diener waren für die die Erweiterung und Instandsetzung der Schweizerischen Botschaft verantwortlich nachdem sie sich bei einem Studienauftrag gegen 8 andere Teilnehmer durchsetzen. Die 1995 entstandene Fotomontage von Diener & Diener zeigt klar die Projektabsichten: Das neoklassizistischen Bauvolumen wird durch ein weiteres Volumen, einen Quader, ergänzt, der sich zum Park an der Spree hinkehrt. Durch die Massivität und Materialität seines Äusseren ist er in Beziehung zum Alten gesetzt. Das Alte wie das Neue gründen archetypisch auf derselben Architektursprache und dadurch werden Alt und Neu miteinander vereint.
Das Betonrelief auf der Brandmauer der ehemaligen Stadtvilla ist eine durch den Künstler Helmut Federle bearbeitete Fassade.
Den Architekten war es ein Anliegen „Die Spuren der Zerstörung, die an diesem Ort zurückblieben, und mit ihnen die gewalttätigen Spuren der nationalsozialistischen Vergangenheit nicht zu beseitigen. Das historische Gedächtnis dieser Stätte bis in die Zukunft zu bewahren.“ (Roger Diener, 1995)
Den Architekten gelang es einen angemessenen architektonischen Ausdruck für das Gebäude an dieser geschichtsträchtigen Lage zu erzeugen.
 

 

Bauherrschaft: Bundesamt für Bauten und Logistik
Architektur: Diener & Diener Architekten
Statik: Walther Mory Maier
Technische Gebäudeplanung: Waldhauser Haustechnik
Gartengestaltung: Kienast, Vogt + Partner
Beratung „béton architectonique“: Jean-Pierre Aury
Westgiebel: Helmut Federle
Innenräume: Peter Suter, Diener & Diener, Bundesamt für Bauten und Logistik
Kunst am Bau: Pipilotti Rist

 

Letzte Änderung 20.12.2019

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